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Die Beratung als Dienstleistung (Gastautor: Oliver Binsner / Frankfurt am Main)

Stets wiederkehrende Elemente zeichnen einen guten Beratungsprozess aus. So folgt in der Regel auf eine Situationsanalyse (IST-Aufnahme) stets eine Zielformulierung (SOLL-Zustand), wobei ab diesem Zeitpunkt die Kalkulation des zu erwartenden Beratungsaufwands benötigt wird. Im Anschluss daran folgen die Konzeptentwicklung, die Konzeptpräsentation, des Öfteren die Mithilfe bei der Umsetzung (= Coaching) und das Maßnahmencontrolling, in dem ständig überprüft wird, inwiefern das angestrebte Ziel bereits erreicht werden konnte.

Die so genannte Produkthaftung, die bei anderen Dienstleistungen greift, besteht für Unternehmensberater nur insofern, wenn bewiesen werden kann, dass mutwillig gemachte und falsche Auskünfte zu Schäden führen. Für Ausführungsfehler in der Umsetzung und Ratschläge oder Konzeptionen, welche sich auf Fehl- oder Falschinformationen des Kunden gründen, haftet der Unternehmensberater nicht, da er zumeist nicht oder nur teilweise an der Umsetzung der erarbeiteten Lösungswege beteiligt ist.

Im Wesentlichen kann man zwischen mehreren Beratungsrichtungen unterscheiden. Zum einen handelt es sich hierbei um die Managementberatung (Strategie, Organisation, Führung und Marketing), die IT-Beratung (IT-Consulting, System-Integration, IT-Service-Provider), sowie die Personalberatung (Personal-Recruitment, Head Hunter, High Potential Development, Personal Konzepte, Training bzw. Weiterbildung). Neben den Beratungsrichtungen lassen sich auch in Sachen Inhalt der Beratung einige Unterschiede erkennen. Verschiedene Beratungsinhalte sind beispielsweise Fusionen und Übernahmen (Unternehmen, Bereiche, Abteilungen), die Auslagerungen und Outsourcing, das Global Sourcing, die Umstrukturierung, die Kostensenkung („Cost Cutting“), die Einführung neuer Technologien, Arbeitsmethoden und Systeme, die Sicherheitsberatung, die Strategieentwicklung, -planung und Umsetzung, das Interims-Management, die Organisationsdiagnose, die Finanzierungsberatung und die Beschaffungsoptimierung oder Einkaufsoptimierung. Auch die verschiedenen Beratungsansätze unterscheiden sich je nachdem wie sehr sie sich am tatsächlichen Beratungsgeschäft von Beratungsfirmen orientieren. So gibt es die prozessorientierte Beratung (Systemische Unternehmensberatung, Organisationsentwicklungs- und Personalentwicklungsberatung), die inhaltsorientierte Beratung (Gutachtenberatung, Expertenberatung) und die Komplementärberatung.

Laut einer Studie von Walger und Scheller führte am Ende der 90er Jahre 1,7 Prozent der untersuchten Firmen Gutachtenberatungen, stolze 84,7 Prozent Expertenberatungen, 11,4 Prozent Organisationsentwicklungs- und Personalentwicklungsberatungen und 2,2 Prozent systemische Beratungen durch. Legt man eine wissenschaftliche Definition zu Grunde gilt jedoch nur ein Teil besagter Aktivitäten als Beratung im engeren Sinne, denn sobald sich der Berater an der Umsetzung von Lösungsvorschlägen beteiligt und dabei als Co-Manager fungiert, sprechen Sozialwissenschaftler nicht mehr von Beratung. Dementsprechend werden Teile der Expertenberatung (34,7 Prozent) und die gesamte Gutachtenberatung (36,4 Prozent), nicht als Beratung im engeren Sinne angesehen, die Systemische Beratung sowie die Organisationsentwicklungs- und Personalentwicklungsberatung entsprechen hingegen voll und ganz der Definition.

Autor: Oliver Binsner – Unternehmensberater und Interim Manager

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